Es gibt ein Geräusch, das jeder kennt, der in einer Wohnung mit Heizkörpern lebt: das Gluckern und Blubbern, das durch die Rippen läuft, sobald die Heizung anspringt. Es klingt harmlos, ist aber ein deutliches Signal. Im Heizkörper hat sich Luft gesammelt, und Luft leitet keine Wärme. Der obere Teil der Rippe bleibt kalt, während unten das warme Wasser staut, die Pumpe arbeitet gegen den Widerstand, und der Raum wird trotz voll aufgedrehtem Thermostat nicht richtig warm. Die Lösung dafür ist eine der wenigen Reparaturen am Heizsystem, die jeder selbst erledigen kann, ohne Werkzeugkoffer, ohne Vorwissen, in wenigen Minuten pro Heizkörper. Und sie spart bares Geld, denn ein entlüfteter Heizkörper arbeitet sofort effizienter.
Drei Zeichen verraten Luft im Heizkörper
Drei Zeichen verraten einen Heizkörper, der entlüftet gehört. Erstens das erwähnte Gluckern, wenn die Heizung läuft. Zweitens ein Heizkörper, der oben kalt bleibt, während er unten warm wird, ein klares Indiz, dass sich oben Luft gesammelt hat, wo eigentlich heißes Wasser stehen sollte. Drittens ein Raum, der einfach nicht auf Temperatur kommt, obwohl das Thermostat voll aufgedreht ist.
Der beste Zeitpunkt, um vorzubeugen, ist der Beginn der Heizsaison im Spätsommer oder Herbst. Wer einmal im Jahr alle Heizkörper durchgeht, startet mit einem effizienten System in den Winter und erspart sich die kalten Stellen, bevor sie überhaupt auffallen. Im Eigenheim mit mehreren Etagen beginnen Sie unten und arbeiten sich nach oben vor, denn Luft steigt und sammelt sich in den höchsten Heizkörpern.
Das brauchen Sie, mehr nicht
Die komplette Ausrüstung kostet wenige Euro und passt in eine Hand. Der Vierkantschlüssel ist genormt und in jedem Baumarkt zu haben. Damit ist das Entlüften kein Fall für die Fachkraft, sondern für Sie selbst.
Die Ausrüstung ist denkbar schlicht: ein Entlüftungsschlüssel, ein standardisierter Vierkantschlüssel für wenige Euro aus jedem Baumarkt, dazu ein kleiner Becher oder Eimer, um austretendes Wasser aufzufangen, und ein Lappen für den Fall, dass ein Tropfen danebengeht. Mehr ist nicht nötig. Manche modernen Heizkörper haben einen automatischen Entlüfter und gar keine Vierkant-Aufnahme, die müssen Sie nicht von Hand entlüften.
Im Eigenheim schalten Sie zunächst die Umwälzpumpe ab, sofern Sie Zugang dazu haben, und warten dann 30 bis 60 Minuten. In dieser Zeit beruhigt sich das Wasser, und die Luftblasen sammeln sich oben im Heizkörper, statt vom Pumpendruck verwirbelt zu werden. In einer Mietwohnung ohne Zugang zur Pumpe funktioniert das Entlüften auch bei laufender Anlage, es dauert nur etwas länger.
Schritt für Schritt entlüften
Eine viertel bis halbe Drehung gegen den Uhrzeigersinn genügt. Sobald das Zischen in einen gleichmäßigen Wasserstrom übergeht, ist die Luft raus. Ventil zudrehen, fertig. Vorsicht, Wasser und Luft können heiß sein.
Drehen Sie das Thermostat des betreffenden Heizkörpers auf die höchste Stufe, damit das Ventil vollständig öffnet. Halten Sie den Becher unter das Entlüftungsventil, das sich oben am Heizkörper befindet, meist auf der dem Thermostat gegenüberliegenden Seite. Setzen Sie den Schlüssel an und drehen Sie ihn langsam gegen den Uhrzeigersinn, eine viertel bis halbe Drehung genügt fast immer.
Jetzt hören Sie ein Zischen: Das ist die Luft, die entweicht. Lassen Sie sie vollständig austreten, bis statt des Zischens gleichmäßig Wasser kommt. Sobald Wasser läuft, ist die Luft draußen, und Sie drehen das Ventil wieder zu. Vorsicht dabei, denn Luft und Wasser können noch heiß sein. Pro Heizkörper dauert das Ganze etwa fünf Minuten, und für eine ganze Wohnung sollten Sie mit fünfzehn bis dreißig Minuten rechnen. Selbst wenn gar keine Luft drin war, haben Sie nur ein paar Minuten verloren, geschadet hat es nie.
Wenn das Entlüften nicht reicht
Manchmal bleibt ein Heizkörper auch nach dem Entlüften kalt. Dann liegt es oft am Anlagendruck: Ist nach dem Entlüften viel Wasser entwichen, kann der Druck im System zu niedrig sein, und es muss Heizwasser nachgefüllt werden. Bei einem klemmenden Thermostatventil hilft es manchmal, den Kopf abzunehmen und den Stift darunter vorsichtig zu bewegen, der mit der Zeit festsitzen kann.
Bleibt das Problem oder werden mehrere Heizkörper dauerhaft ungleichmäßig warm, steckt meist eine tiefere Ursache dahinter: Das Heizwasser verteilt sich nicht gleichmäßig auf alle Heizkörper. Die nähergelegenen bekommen zu viel, die entfernten zu wenig. Das lässt sich mit Bordmitteln nicht beheben, sondern braucht den nächsten Schritt.
Der hydraulische Abgleich als Krönung
Wenn Heizkörper dauerhaft ungleich warm werden, hilft das Entlüften allein nicht mehr. Der hydraulische Abgleich stellt für jeden Heizkörper die richtige Wassermenge ein. Das ist staatlich gefördert und die Basis für eine spätere Wärmepumpe.
Der hydraulische Abgleich ist die professionelle Antwort auf ungleich versorgte Heizkörper. Ein Fachbetrieb stellt dabei die Wassermenge für jeden einzelnen Heizkörper passend zu Raumgröße, Lage und Dämmung ein, sodass überall genau so viel ankommt, wie der Raum braucht. Das Ergebnis ist ein System, in dem kein Heizkörper mehr überversorgt oder vernachlässigt wird. Die Pumpe arbeitet sparsamer, die Räume werden gleichmäßig warm.
Diese Einzelmaßnahme gehört zu den effizientesten überhaupt und wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst. Sie ist außerdem die Grundlage dafür, dass eine spätere Wärmepumpe überhaupt sparsam laufen kann. Wer entlüftet und zusätzlich abgleichen lässt, holt aus der bestehenden Anlage heraus, was technisch möglich ist, und merkt es an jeder Abrechnung.
Kleiner Aufwand, verlässliche Wirkung
Das Schöne am Entlüften ist seine Verlässlichkeit. Anders als bei vielen Spartipps, deren Wirkung Sie erahnen müssen, hören und fühlen Sie hier sofort, dass etwas passiert: Das Gluckern verstummt, der Heizkörper wird auf ganzer Fläche warm, der Raum kommt endlich auf Temperatur. Es ist eine dieser Aufgaben, die beim ersten Mal noch nach Anleitung verlangen und beim zweiten Mal längst zur Routine geworden sind. Einmal im Jahr, ein paar Minuten pro Heizkörper, und Ihre Heizung gibt das, wofür Sie bezahlen, auch wirklich an den Raum ab.




