Neues nach hinten, Älteres nach vorn. Mit diesem Prinzip und beschrifteten Gläsern bleibt beim Vorratsschrank Ordnen nichts unbemerkt stehen, bis es abläuft.
Irgendwo ganz hinten im Küchenschrank steht eine angebrochene Tüte Haferflocken, daneben drei Packungen Linsen, von denen zwei nie geöffnet wurden, und ein Glas Pesto mit einem Haltbarkeitsdatum aus dem vergangenen Frühjahr. Der Vorratsschrank ist in vielen Haushalten der Ort, an dem gute Absichten langsam altern. Im Herbst lohnt sich ein genauer Blick hinein. Die Regale füllen sich mit Einmachgläsern aus dem Garten, Äpfeln, Kartoffeln und Nüssen, und wer jetzt den Vorratsschrank ordnen will, verschwendet danach weniger Lebensmittel, beugt Lebensmittelmotten vor und hat nebenbei einen sinnvollen Grundvorrat für den Fall, dass der Supermarkt einmal nicht erreichbar ist.
Kühl, trocken und dunkel ist der richtige Platz
Die meisten haltbaren Lebensmittel lagern am besten unter drei Bedingungen: kühl, trocken und dunkel. Wärme beschleunigt, dass Fette ranzig werden und Aromen verloren gehen, Feuchtigkeit fördert Schimmel und Klumpen, Licht zerstört Vitamine und verändert Farbe und Geschmack. Ideal ist ein Schrank oder eine Speisekammer an einer Innenwand, weit weg von Herd, Backofen, Spülmaschine und Heizkörper.
Der Oberschrank direkt über dem Herd ist deshalb für Mehl, Nüsse und Gewürze einer der schlechtesten Plätze. Auch der Schrank neben dem Kühlschrank wird oft wärmer als gedacht, weil das Gerät Wärme nach außen abgibt. Ein kühler, trockener Kellerraum eignet sich für Konserven, Getränke und Einmachgläser, sofern er nicht feucht ist. Kartoffeln, Zwiebeln und Äpfel brauchen eigene Plätze, dazu später mehr.
Beim Vorratsschrank ordnen hilft das Prinzip Alt nach vorn
Ordnung im Vorrat entsteht nicht durch schöne Dosen, sondern durch ein klares System. Bewährt hat sich das sogenannte First-in-first-out-Prinzip: Was zuerst gekauft wurde, wird zuerst verbraucht. Neue Packungen kommen nach hinten, ältere rücken nach vorne. So bleibt nichts unbemerkt stehen, bis es abgelaufen ist.
Räumen Sie den Schrank einmal komplett aus, wischen Sie die Böden aus und sortieren Sie nach Gruppen: Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Konserven, Backzutaten, Gewürze, Snacks. Jede Gruppe bekommt einen festen Platz, damit Sie beim Einkaufen wissen, was fehlt. Beschriften Sie umgefüllte Lebensmittel mit Inhalt und Kaufdatum. Ein kleiner Zettel an der Innenseite der Schranktür, auf dem Sie notieren, was zur Neige geht, ersetzt die Einkaufsliste für Grundnahrungsmittel.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum
Beim Ausräumen tauchen fast immer Packungen mit abgelaufenem Datum auf. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt jedoch nur, bis wann der Hersteller bei ungeöffneter Verpackung und richtiger Lagerung bestimmte Eigenschaften wie Geschmack, Farbe und Konsistenz garantiert. Danach sind viele Produkte noch einwandfrei. Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Zucker, Salz und die meisten Konserven bleiben weit über das Datum hinaus genießbar.
Prüfen Sie abgelaufene Lebensmittel mit den eigenen Sinnen: Sehen, riechen, im Zweifel probieren. Schimmel, ein ranziger oder muffiger Geruch oder eine aufgewölbte Konservendose sind klare Gründe zum Wegwerfen. Anders ist es beim Verbrauchsdatum, das auf leicht verderblichen Lebensmitteln wie Hackfleisch steht. Nach diesem Datum sollten Produkte nicht mehr gegessen werden. Im Vorratsschrank spielt es kaum eine Rolle.
Schraubgläser sind der beste Schutz gegen Lebensmittelmotten
Die häufigsten Schädlinge im Vorratsschrank sind Lebensmittelmotten, zum Beispiel die Dörrobstmotte. Die unscheinbaren Falter legen ihre Eier an Mehl, Getreide, Nüsse, Trockenobst, Schokolade und Tierfutter. Die Larven fressen sich durch Papier, dünne Folien und Pappkartons und hinterlassen feine Gespinste. Oft werden die Eier bereits mit gekauften Produkten eingeschleppt.

Der wirksamste Schutz sind dicht schließende Behälter. Füllen Sie Mehl, Nüsse, Müsli, Trockenobst und Reis nach dem Kauf in Schraubgläser oder Vorratsdosen mit Dichtungsring um. Sollte eine Packung bereits befallen sein, bleibt der Befall im Glas und breitet sich nicht aus. Wer auffällig viele Nüsse oder Trockenobst kauft, kann neue Packungen vor dem Umfüllen einige Tage einfrieren, um eventuell vorhandene Eier abzutöten.
Ein Befall braucht gründliches Putzen, nicht nur eine Falle
Entdecken Sie Gespinste, kleine Larven oder Falter, kommt es auf Gründlichkeit an. Werfen Sie alle befallenen und alle offen gelagerten Lebensmittel in einem verschlossenen Beutel in den Restmüll. Saugen Sie den Schrank mit der Fugendüse aus, auch Ritzen, Bohrlöcher für Regalböden und die Scharniere, denn dort verstecken sich Eier und Puppen. Anschließend wischen Sie alles mit Essigwasser aus und lassen den Schrank gut trocknen.
Klebefallen mit Lockstoff, sogenannte Pheromonfallen, fangen nur männliche Falter. Sie sind hilfreich, um einen Befall zu erkennen oder zu kontrollieren, ob er vorbei ist, beseitigen ihn aber nicht. Bei hartnäckigem Befall können Schlupfwespen helfen, winzige Nützlinge, die die Motteneier parasitieren. Sie sind für Menschen unsichtbar und harmlos und verschwinden, wenn keine Eier mehr zu finden sind. Chemische Insektensprays gehören nicht in den Lebensmittelschrank.
Kartoffeln, Zwiebeln und Äpfel wollen getrennt lagern
Für die Herbsternte gelten eigene Regeln. Kartoffeln lagern am besten dunkel, luftig und kühl bei etwa vier bis acht Grad. Bei Licht bilden sie grüne Stellen mit dem giftigen Solanin, bei Wärme treiben sie aus. Zwiebeln und Knoblauch mögen es trocken und luftig und sollten nicht neben Kartoffeln liegen, weil beide sich gegenseitig schneller verderben lassen.

Äpfel geben das Reifegas Ethylen ab, das andere Obst- und Gemüsesorten schneller reifen und welken lässt. Lagern Sie Äpfel deshalb getrennt, am besten in einem kühlen Keller oder einer Garage in flachen Kisten, sodass sich die Früchte nicht berühren. Sortieren Sie regelmäßig aus, denn ein fauler Apfel steckt die umliegenden an. Selbst eingekochte Marmeladen und Einmachgläser stehen dunkel und kühl und halten so meist ein Jahr und länger.
Wer den Vorratsschrank ordnen will, legt nebenbei einen Notvorrat an
Ein gut geordneter Vorratsschrank erfüllt noch eine zweite Aufgabe. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt jedem Haushalt, einen Grundvorrat an Lebensmitteln und Getränken für zehn Tage anzulegen, etwa für einen längeren Stromausfall, ein Unwetter oder eine Erkrankung, bei der niemand einkaufen kann. Pro Person rechnet das Amt mit rund 2.200 Kilokalorien und zwei Litern Flüssigkeit am Tag, für zehn Tage also 20 Liter Getränke.
Der Vorrat muss nicht aus Spezialnahrung bestehen. Er setzt sich aus Lebensmitteln zusammen, die Sie ohnehin essen: Nudeln, Reis, Haferflocken, Knäckebrot, Konserven mit Gemüse, Obst, Fisch und Hülsenfrüchten, H-Milch, Nüsse und Öl. Konserven haben den Vorteil, dass sie bereits gegart sind und zur Not kalt gegessen werden können. Wer das First-in-first-out-Prinzip konsequent anwendet, verbraucht und ersetzt den Notvorrat automatisch. Die vollständige Checkliste stellt das Bundesamt kostenlos auf seiner Website bereit.
Am Ende dieser Aufräumaktion steht ein Schrank, in dem vorne das steht, was bald gegessen werden sollte, und hinten das, was für den Ernstfall bereitliegt. Die Haferflocken ganz hinten sind dann keine vergessene Tüte mehr, sondern ein sicher verschlossenes Glas mit Datum.
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI
















0 Kommentare