Ein klassischer Thermostatkopf kennt keine Uhrzeit. Er hält den Raum auf der Stufe, auf die ihn jemand gedreht hat, egal ob im Raum gearbeitet, geschlafen oder das Haus für acht Stunden verlassen wird. Wer abends das Wohnzimmer herunterdreht und morgens wieder hoch, spart Energie, vergisst es aber irgendwann. Smarte Heizkörperthermostate übernehmen genau diese Routine. Sie senken die Temperatur nach Plan ab, reagieren auf offene Fenster und lassen sich per App steuern. Und sie lassen sich in wenigen Minuten ohne Installateur montieren, auch in einer Mietwohnung. Wie viel sie tatsächlich sparen, hängt allerdings stark davon ab, wie bisher geheizt wurde.

Jedes Grad weniger zählt, aber nur zur richtigen Zeit

Der Sparmechanismus ist schnell erklärt. Nach Angaben der Verbraucherzentrale verringert jedes Grad weniger Raumtemperatur den Heizenergiebedarf um etwa sechs Prozent. Wer ein Zimmer nachts oder während der Arbeitszeit um einige Grad absenkt, spart also spürbar. Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online geht davon aus, dass programmierbare Thermostate im Durchschnitt etwa zehn Prozent der Heizkosten einsparen können.

Solche Durchschnittswerte sind allerdings mit Vorsicht zu lesen. Wer bisher alle Räume rund um die Uhr gleichmäßig beheizt hat, kann deutlich mehr sparen. Wer dagegen schon heute konsequent Thermostate herunterdreht, Türen schließt und Nachtabsenkung nutzt, wird durch die Digitalisierung keine Wunder erleben. Werbeversprechen von 30 Prozent und mehr sollten Sie deshalb skeptisch machen.

Smarte Heizkörperthermostate passen auf fast jedes Ventil

Die Montage gelingt in den meisten Wohnungen ohne Werkzeug. Der alte Thermostatkopf wird abgeschraubt, der neue aufgesetzt. Die meisten Heizkörperventile in Deutschland haben den Standardanschluss M30 x 1,5, auf den nahezu alle smarten Thermostate passen. Für verbreitete ältere Ventile, etwa von Danfoss, liegen den Geräten oft Adapter bei. Bei selteneren Herstellern kann ein Spezialadapter für einige Euro nötig sein. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf, welches Ventil verbaut ist. Der Herstellername steht meist auf dem Ventilkörper.

Hand schraubt ein smartes Heizkörperthermostat auf das Ventil eines Heizkörpers, daneben liegen der alte Thermostatkopf und ein Adapter

Alter Kopf ab, neuer Kopf drauf. Die meisten Ventile haben den Standardanschluss M30 x 1,5, und der alte Thermostatkopf wird für den Austausch des smarten Heizkörperthermostats aufgehoben.

Für Mieterinnen und Mieter gilt: Heben Sie die alten Thermostatköpfe auf. Beim Auszug werden sie wieder montiert, und die smarten Geräte ziehen mit in die nächste Wohnung. Da kein Eingriff in die Heizungsanlage nötig ist, braucht es für den Tausch in der Regel keine Zustimmung des Vermieters. Wer auf Nummer sicher gehen will, informiert ihn kurz.

WLAN, Funk oder Zentrale entscheidet über Komfort und Batterie

Bei der Auswahl lohnt ein Blick auf die Verbindungstechnik. Manche Systeme verbinden sich über eine kleine Zentrale, auch Bridge genannt, die am Router hängt und per Funk mit den Thermostaten spricht. Andere nutzen einen vorhandenen Router als Basis, etwa eine FRITZ!Box. Wieder andere setzen auf offene Funkstandards wie Zigbee oder den neueren Smart-Home-Standard Matter, der Geräte verschiedener Hersteller zusammenbringen soll.

Für Einsteiger ist ein geschlossenes System eines Herstellers am unkompliziertesten. Wer schon Smart-Home-Geräte besitzt, sollte darauf achten, dass die Thermostate mit der vorhandenen Zentrale zusammenarbeiten. Die Geräte laufen meist mit Batterien, die je nach Modell und Nutzung ein bis zwei Heizperioden halten. Ein weiterer Punkt ist der Datenschutz. Einige Systeme funktionieren nur mit Cloud-Anbindung und Benutzerkonto, andere lassen sich auch lokal steuern. Prüfen Sie außerdem, ob wichtige Funktionen im Abo angeboten werden.

Zeitpläne sind wichtiger als die App auf dem Smartphone

Die eigentliche Ersparnis entsteht nicht durch das Steuern per Smartphone, sondern durch gut eingestellte Zeitpläne. Richten Sie für jeden Raum ein eigenes Profil ein. Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume höchstens 20 Grad, für die Küche 18 Grad und für das Schlafzimmer 17 Grad. Das Bad darf morgens und abends wärmer sein, tagsüber genügt eine Absenkung.

Frau auf dem Sofa richtet am Smartphone einen Wochenplan mit unterschiedlichen Temperaturen für mehrere Räume ein

20 Grad im Wohnzimmer, 17 im Schlafzimmer, nachts drei Grad weniger. Ein einmal eingerichteter Zeitplan spart mehr als jedes spontane Nachregeln per App.

Senken Sie die Temperatur nicht zu stark ab. Kühlen Räume zu sehr aus, braucht die Heizung viel Energie, um sie wieder aufzuwärmen, und an kalten Wänden kann sich Feuchtigkeit niederschlagen. Eine Absenkung um drei bis vier Grad in Abwesenheits- und Nachtzeiten ist ein guter Ausgangswert. Räume, die gar nicht genutzt werden, sollten nicht unter etwa 16 Grad fallen. Viele Systeme bieten zusätzlich Geofencing: Das Smartphone meldet, wenn alle Bewohner das Haus verlassen haben, und die Heizung regelt herunter. Das lohnt sich vor allem bei unregelmäßigen Arbeitszeiten.

Die Fenster-offen-Erkennung braucht die richtige Montage

Eine praktische Funktion ist die automatische Fenster-offen-Erkennung. Fällt die Temperatur am Thermostat innerhalb kurzer Zeit deutlich ab, schließt es das Ventil und heizt nicht gegen das offene Fenster an. Nach dem Stoßlüften regelt es wieder hoch. Die Erkennung arbeitet bei den meisten Modellen über den gemessenen Temperaturabfall, einige Systeme nutzen zusätzlich Fensterkontakte.

Weit geöffnetes Fenster, darunter ein Heizkörper mit smartem Thermostat, dessen Display ein Symbol für offenes Fenster zeigt

Beim Stoßlüften schließt das Thermostat automatisch das Ventil. Damit es richtig misst, darf kein Vorhang über dem Heizkörper hängen.

Damit das zuverlässig klappt, kommt es auf die Position an. Ein Thermostat, das hinter einem dicken Vorhang, unter einer Fensterbank mit Nischenstau oder direkt in der Sonne sitzt, misst falsche Werte. Es regelt dann zu früh ab oder heizt zu lange. Hängen Sie Vorhänge so, dass der Heizkörper frei bleibt. Bei ungünstig verbauten Heizkörpern hilft ein externer Raumtemperatursensor, den viele Hersteller anbieten.

Das Zusammenspiel mit dem hydraulischen Abgleich

Smarte Thermostate können nur so gut regeln, wie das Heizsystem es zulässt. Wird ein Heizkörper nur lauwarm, weil er zu wenig Heizwasser bekommt oder Luft im System ist, hilft auch das beste Gerät nicht. Entlüften Sie deshalb vor der Montage die Heizkörper. Wie das geht, erklärt unser Beitrag zum Heizkörperentlüften hier auf Ratschlag Wohnen.

Hausbesitzer sollten zudem prüfen, ob ihre Anlage hydraulisch abgeglichen ist. Erst dann verteilt sich das Wasser gleichmäßig auf alle Heizkörper. Voreinstellbare Thermostatventile, wie sie auf Ratschlag Bauen beschrieben sind, ergänzen smarte Köpfe sinnvoll. Wer die Maßnahmen im Rahmen einer Heizungsoptimierung von einem Fachbetrieb ausführen lässt, kann unter Umständen Fördermittel beantragen. Die aktuellen Bedingungen stehen beim BAFA.

Smarte Heizkörperthermostate zeigen ihren Nutzen nach dem ersten Winter

Ob sich die Anschaffung gelohnt hat, lässt sich nach einer Heizperiode gut beurteilen. Viele Apps zeigen den Heizverlauf pro Raum und schätzen den Verbrauch. Aussagekräftiger ist der Vergleich der Heizkostenabrechnung oder der Zählerstände mit dem Vorjahr, bereinigt um einen besonders milden oder kalten Winter.

Die Geräte kosten je nach System zwischen etwa 40 und 100 Euro pro Heizkörper. In einer Wohnung mit fünf Heizkörpern amortisiert sich das in vielen Fällen innerhalb weniger Jahre, sofern vorher tatsächlich zu warm oder zu lange geheizt wurde. Der eigentliche Gewinn liegt aber im Alltag: Das Bad ist morgens warm, ohne dass jemand daran denken musste, und das Wohnzimmer kühlt ab, sobald der letzte das Haus verlässt.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI