Warmes Licht aus mehreren Quellen gibt dem Raum Tiefe. Die zentrale Deckenleuchte darf abends ausgeschaltet bleiben.
Es gibt einen Abend im Oktober, an dem die Wohnung plötzlich anders wirkt. Draußen wird es um halb sechs dunkel, drinnen brennt die Deckenleuchte, und der Raum, der im Sommer weit und freundlich aussah, wirkt flach und ein bisschen unbewohnt. Die Möbel haben sich nicht verändert, die Wandfarbe auch nicht. Verändert hat sich, dass jetzt eine einzige Lampe die Arbeit von vieren übernehmen muss. Bis in den Februar verbringen Sie einen großen Teil der wachen Stunden zu Hause bei Kunstlicht. Eine gute Lichtplanung im Winter braucht dafür kein neues Einrichtungskonzept und selten mehr Licht. Meist reicht es, das vorhandene Licht anders zu verteilen und beim nächsten Leuchtmittel auf drei Zahlen zu achten.
Eine Deckenleuchte allein macht den Raum flach
Eine zentrale Leuchte an der Decke wirft ihr Licht senkrecht nach unten. Das hilft, wenn Sie etwas suchen, und schadet fast allem anderen. Gesichter bekommen harte Schatten unter Augen und Nase, Möbel verlieren ihre Tiefe, und die Ecken bleiben dunkel. Der Raum sieht kleiner aus, als er ist, weil das Auge keine Helligkeitsunterschiede findet, an denen es sich orientieren kann.
Räume, die abends angenehm wirken, haben meist drei bis fünf Lichtquellen auf verschiedenen Höhen: eine Stehleuchte neben dem Sessel, eine Tischleuchte auf der Kommode, vielleicht einen Wandfluter, der Licht an die Decke wirft. Erst dieses Nebeneinander macht einen Raum plastisch. Der schnellste Test kostet nichts. Schalten Sie heute Abend die Deckenleuchte aus und nur die kleinen Lampen an, die Sie schon besitzen. Sieht der Raum sofort wohnlicher aus, fehlen Ihnen keine neuen Möbel, sondern zwei zusätzliche Lichtpunkte.
Die Aufteilung in Grund-, Zonen- und Akzentlicht Raum für Raum beschreibt unser Beitrag Lichtkonzept für jeden Raum. Hier geht es um die dunklen Monate und die Zahlen, mit denen Sie beim Kauf richtig liegen.
Lumen, Lux und der Rechenweg für das Wohnzimmer
Bei Glühlampen war Watt ein brauchbarer Anhaltspunkt für die Helligkeit. Bei LED sagt die Leistung darüber nichts mehr aus, weil dieselbe Lichtmenge je nach Bauart mit vier oder mit neun Watt entsteht. Vergleichbar ist allein der Lichtstrom in Lumen, der etwas kleiner auf der Verpackung steht. Zur Orientierung: Eine alte 60-Watt-Glühlampe kam auf rund 700 bis 800 Lumen, eine 40-Watt-Lampe auf etwa 400.
Lumen beschreibt, wie viel Licht eine Leuchte abgibt. Lux beschreibt, wie viel davon auf einer Fläche ankommt, und das ist für die Planung die wichtigere Zahl. Im Wohnbereich reichen 100 bis 300 Lux, ein Flur kommt mit etwa 100 Lux aus. An der Küchenarbeitsplatte und am Badspiegel sollten es 300 bis 500 Lux sein, am Schreibtisch rund 500, so wie es die Norm für Büroarbeitsplätze vorsieht. Eine Leseleuchte mit 400 Lumen direkt neben dem Sessel bringt deshalb mehr als 1.000 Lumen an der Decke, die auf dem Weg nach unten in der Fläche verschwinden.
Machen Sie im Herbst einmal Inventur. Zählen Sie die Lumenwerte aller Lampen im Wohnzimmer zusammen, sie stehen auf dem Sockel oder der Verpackung. In vielen Wohnungen kommt dabei eine einzige Deckenleuchte mit 1.200 bis 1.800 Lumen heraus. Für ein Wohnzimmer mit 25 Quadratmetern ist das etwa die Hälfte dessen, was als Grundlicht üblich ist, und es kommt aus der ungünstigsten Richtung. Die fehlende Hälfte gehört nicht in eine stärkere Deckenlampe, sondern in zwei oder drei Leuchten auf Tisch- und Bodenhöhe.

Alle diese Richtwerte gehen von hellen Wänden aus. Helle Flächen werfen Licht zurück, dunkle schlucken es. Haben Sie eine Wand in tiefem Grün oder Burgunderrot gestrichen, rechnen Sie grob mit 20 bis 30 Prozent mehr Lumen im Raum. Setzen Sie außerdem mindestens eine Lichtquelle so, dass sie die dunkle Fläche direkt anstrahlt, etwa eine Stehleuchte mit nach oben offenem Schirm.
Warmweiß am Abend, Neutralweiß an der Arbeitsplatte
Die zweite Zahl auf der Verpackung ist die Farbtemperatur in Kelvin. Je höher der Wert, desto kühler wirkt das Licht. Um 2.700 Kelvin entsteht ein warmes, leicht goldenes Licht, wie es Glühlampen hatten. 4.000 Kelvin wirken neutralweiß und sachlich, alles darüber bläulich. Für Wohnzimmer, Schlafzimmer und Flur sind 2.700 Kelvin die richtige Wahl, in der Leseecke auch 3.000. Neutralweißes Licht gehört über die Küchenarbeitsplatte, an den Schreibtisch und an den Badspiegel, weil es Konturen und Farben schärfer zeigt.
Entscheiden Sie sich pro Raum für einen Wert und bleiben Sie dabei. Zwei Leuchten mit unterschiedlicher Farbtemperatur nebeneinander lassen auch eine gute Beleuchtung unruhig wirken. Wenn Sie flexibel bleiben wollen, gibt es Leuchtmittel mit einstellbarer Farbtemperatur: morgens kühler, abends warm. Das kommt dem nahe, was das Tageslicht im Sommer von allein tut. Halten Sie den Wohnbereich ab dem späten Nachmittag warm, signalisiert der Raum Feierabend, auch wenn draußen schon seit Stunden Nacht ist.
Der Ra-Wert entscheidet über Holz, Stoff und Haut
Ein dritter Wert steht auf fast jeder Verpackung und wird selten beachtet: der Farbwiedergabeindex, abgekürzt CRI oder Ra. Er beschreibt, wie natürlich Farben unter diesem Licht erscheinen, gemessen an Tageslicht mit dem Höchstwert 100. Unter Ra 80 wirken Holz stumpf, Textilien grau und Hauttöne fahl. Ab Ra 90 bekommt ein Eichenparkett seinen Braunton zurück, und ein blaues Sofa sieht auch abends noch blau aus.
Für Wohnräume sollte der Wert bei mindestens 80 liegen, besser bei 90. Der Aufpreis beträgt pro Leuchtmittel oft nur ein bis zwei Euro. Achten Sie darauf vor allem dort, wo Farbe eine Rolle spielt: im Wohnzimmer, am Kleiderschrank und im Bad. Sieht eine Hose zu Hause anders aus als im Tageslicht, liegt es oft an einem niedrigen Ra-Wert. Im Winter, wenn die Wohnung viele Stunden am Tag von Kunstlicht lebt, fällt dieser Unterschied stärker ins Gewicht als im Sommer.
Mit dem Dimmer durch den langen Abend
Ein Raum braucht um zweiundzwanzig Uhr nicht dieselbe Helligkeit wie nachmittags um vier. Ohne Dimmer bleibt nur die Wahl zwischen zu hell und aus. Dimmbare Leuchten passen das Licht dem Abend an, ohne dass Sie Möbel rücken oder Lampen nachkaufen. Prüfen Sie beim Kauf die Angabe auf der Verpackung, denn nicht jede LED lässt sich dimmen. Eine nicht dimmbare Lampe am Dimmer flackert oder brummt, und auch dimmbare LEDs vertragen sich nicht mit jedem alten Phasenanschnittdimmer.
In der Mietwohnung sind Steh- und Tischleuchten mit eigenem Dimmer am Kabel oder am Sockel die einfachste Lösung. Eine Steckerleiste mit Funkdimmer oder ein smartes Leuchtmittel funktioniert ebenfalls ohne Eingriff in die Installation. Möchten Sie einen Wanddimmer nachrüsten, prüfen Sie, ob eine geeignete Anschlussdose vorhanden ist, und überlassen Sie die Arbeit einer Elektrofachkraft. Schalten Sie die Leuchten außerdem getrennt. Jede Lampe mit eigenem Schalter oder eigener Smart-Home-Adresse ergibt mehrere Lichtstimmungen statt einer.
Die Höhe der Leuchte prägt die Stimmung
Wo eine Leuchte hängt oder steht, wirkt stärker als ihre Form. Über dem Esstisch sollte die Unterkante einer Pendelleuchte etwa 60 bis 70 Zentimeter über der Platte liegen. Tiefer wird sie zum Sichthindernis, höher blendet sie und verliert ihre Wirkung als Licht, das den Tisch zur eigenen Insel macht.

Tischleuchten stehen am besten so, dass der Schirmrand etwa auf Augenhöhe der sitzenden Person liegt. Dann sehen Sie das Licht und nicht das Leuchtmittel. Eine Stehleuchte hinter dem Sofa wirkt anders als daneben, weil sie die Wand mitbeleuchtet und den Raum nach hinten öffnet. Licht, das nach oben an die Decke geht, lässt niedrige Räume höher erscheinen. Ein Wandfluter kostet wenig und verändert die Raumwirkung stärker als ein neuer Teppich.
Helles Licht am Morgen, sparsames Licht am Abend
In den dunkelsten Wochen fehlt dem Körper morgens das Tageslicht, das ihn wach macht. Die Zimmerbeleuchtung kann das nicht ersetzen, denn selbst eine helle Wohnung kommt selten über einige hundert Lux, während ein bedeckter Wintertag draußen ein Vielfaches davon liefert. Ein Spaziergang am Vormittag bringt deshalb mehr als jede Lampe. Tageslichtlampen für die Lichttherapie arbeiten mit rund 10.000 Lux und werden etwa eine halbe Stunde am Morgen genutzt. Fühlen Sie sich über Wochen antriebslos und niedergeschlagen, gehört das in eine ärztliche Abklärung und nicht allein vor die Lampe.

Abends dürfen die Lichtpunkte zahlreicher werden, ohne dass die Stromrechnung leidet. LED-Leuchtmittel brauchen für dieselbe Helligkeit rund 80 bis 90 Prozent weniger Strom als Glühlampen und halten 15.000 Stunden und länger. Seit September 2021 tragen Lampen wieder das Energielabel mit der Skala von A bis G, ohne Plus-Zeichen. Bei Lichterketten lohnt der Blick auf das Alter: Eine LED-Kette mit hundert Lämpchen kommt meist mit wenigen Watt aus, eine alte Kette mit Glühbirnchen braucht ein Vielfaches davon.
Zwei Lampen verändern mehr als eine Renovierung
Sie brauchen keinen Umbau, um gut durch den Winter zu kommen. Eine Stehleuchte hinter dem Sofa und eine Tischleuchte auf dem Sideboard, beide warmweiß, dimmbar und mit gutem Ra-Wert, verändern ein Wohnzimmer an einem Samstagnachmittag. Die Deckenleuchte darf bleiben, sie muss nur nicht mehr allein arbeiten. Und wenn im Dezember um halb fünf draußen das Licht ausgeht, bestimmt dann die Wohnung, wie sich der Abend anfühlt.
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI













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