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Trockene Heizungsluft richtig messen und befeuchten

5 Minuten Lesezeit
Digitales Hygrometer im Bücherregal zeigt 34 Prozent Luftfeuchtigkeit und 22,5 Grad, im Hintergrund ein Heizkörper am Fenster bei trockener Heizungsluft

34 Prozent bei 22,5 Grad: Hier ist die Luft tatsächlich zu trocken. Oft hilft schon bei trockener Heizungsluft, die Temperatur um zwei Grad zu senken, bevor ein Gerät nötig wird.

Morgens kratzt der Hals, die Augen brennen am Bildschirm, und beim Anfassen der Türklinke knistert es. Viele Menschen machen dafür im Winter die trockene Heizungsluft verantwortlich und kaufen einen Luftbefeuchter, manchmal noch einen Luftreiniger dazu. Das kann sinnvoll sein. Oft ist die Luft aber gar nicht so trocken, wie es sich anfühlt, und ein Gerät, das nicht gepflegt wird, verschlechtert die Raumluft eher, als dass es sie verbessert. Bevor Geld für Technik ausgegeben wird, lohnt deshalb ein Blick auf ein kleines Messgerät, das kaum mehr kostet als eine Tafel guter Schokolade.

Warme Luft ist nicht trockener, sie kann nur mehr aufnehmen

Dass Heizungsluft trocken wird, liegt an einem physikalischen Zusammenhang. Kalte Außenluft enthält selbst bei Nebel nur wenig Wasserdampf. Wird sie beim Lüften in die Wohnung geholt und auf 20 Grad erwärmt, bleibt die Wassermenge gleich, aber die Luft könnte nun deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Die relative Luftfeuchtigkeit, also das Verhältnis von tatsächlichem zu maximal möglichem Wasserdampf, sinkt dadurch stark.

An sehr kalten, klaren Wintertagen kann die relative Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen deshalb unter 30 Prozent fallen. An milden, feuchten Tagen liegt sie dagegen oft im grünen Bereich. Hinzu kommen Unterschiede zwischen den Räumen: Im Wohnzimmer mit hoher Temperatur ist die Luft trockener als in der Küche, im Bad oder im Schlafzimmer, wo gekocht, geduscht und geatmet wird.

Zwischen 40 und 60 Prozent fühlt sich Raumluft gut an

Das Umweltbundesamt nennt für Wohnräume einen Zielbereich von 40 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Unter 40 Prozent können Schleimhäute in Nase und Rachen austrocknen, Augen reizen und die Haut spannen. Über 60 Prozent steigt das Risiko für Schimmel an kalten Wandflächen und für Hausstaubmilben.

Für gesunde Menschen ist eine zusätzliche Befeuchtung medizinisch meist nicht notwendig, solange die Luft nicht über viele Tage ausgesprochen trocken ist. Für Menschen mit empfindlichen Atemwegen, trockenen Augen oder Hautproblemen kann es angenehmer sein, im unteren Teil des Zielbereichs zu bleiben statt darunter. Wer an Asthma leidet, sollte vor der Anschaffung eines Luftbefeuchters ärztlichen Rat einholen, weil ein schlecht gepflegtes Gerät Keime und Schimmelsporen in der Luft verteilen kann.

Trockene Heizungsluft beginnt mit einem Hygrometer

Ob Ihre Luft wirklich zu trocken ist, zeigt ein digitales Hygrometer, das es für wenige Euro gibt. Stellen Sie es auf Augenhöhe an eine Innenwand, nicht direkt neben Heizkörper, Fenster oder Wasserkocher, und lassen Sie es einige Stunden messen. Beobachten Sie die Werte über eine Woche zu verschiedenen Tageszeiten und in mehreren Räumen.

Erst wenn der Wert in einem Raum über längere Zeit dauerhaft unter 40 Prozent liegt, ist Handlungsbedarf gegeben. Liegt er zwischen 40 und 60 Prozent, bringt ein Luftbefeuchter keinen Vorteil. Und liegt er darüber, ist mehr Feuchtigkeit sogar schädlich. Dann hilft eher häufigeres Lüften, wie es unser Beitrag zur Schimmelvermeidung beschreibt.

Gegen trockene Heizungsluft helfen kleine Gewohnheiten ohne Gerät

Oft genügen kleine Änderungen, um trockene Heizungsluft auszugleichen. Die wirksamste ist, die Raumtemperatur etwas zu senken. Ein Grad weniger erhöht die relative Luftfeuchtigkeit bereits spürbar und spart zugleich Heizkosten. Wer das Wohnzimmer auf 20 statt 23 Grad heizt, hat meist schon deutlich angenehmere Luft.

Lüften Sie außerdem kurz und kräftig statt lange mit gekipptem Fenster. Beim Stoßlüften wird die Luft ausgetauscht, bevor Möbel und Wände auskühlen, und die im Raum gespeicherte Feuchtigkeit bleibt eher erhalten. Wäsche auf einem Wäscheständer im Wohnraum gibt bei trockener Luft Feuchtigkeit ab, wie unser Beitrag zum Wäschetrocknen in der Wohnung zeigt, allerdings nur, wenn der Wert nicht ohnehin schon hoch ist. Zimmerpflanzen mit großen Blättern, die regelmäßig gegossen werden, tragen in kleinem Umfang ebenfalls bei. Die klassische Wasserschale auf dem Heizkörper verdunstet dagegen zu wenig, um einen Raum messbar zu befeuchten, und muss täglich gereinigt werden.

Verdunster sind hygienischer als Vernebler

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann ein Luftbefeuchter helfen. Auf dem Markt gibt es drei Bauarten. Verdunster lassen Wasser über eine feuchte Filtermatte oder rotierende Scheiben verdunsten, durch die ein Ventilator Luft bläst. Sie geben nur Wasserdampf ab, keine Tröpfchen, und befeuchten nicht über das natürliche Maß hinaus. Vernebler, meist mit Ultraschall, zerstäuben Wasser zu feinem Nebel. Verdampfer kochen Wasser auf und geben Dampf ab, was hygienisch ist, aber viel Strom verbraucht und bei Kindern ein Verbrühungsrisiko birgt.

Person befüllt den Wassertank eines weißen Luftbefeuchters, der frei im Raum steht, daneben Reinigungsbürste und Entkalker
Täglich frisches Wasser, wöchentlich reinigen. Ein Verdunster gibt nur Wasserdampf ab und keine Tröpfchen, vorausgesetzt, er wird regelmäßig gepflegt.

Die Stiftung Warentest hat im Herbst 2025 acht Luftbefeuchter geprüft, fünf Verdunster und drei Vernebler. Nur zwei Verdunster erhielten die Note gut. Die Vernebler gaben im Test viele Keime an die Raumluft ab, keiner schnitt gut ab. Unabhängig vom Gerätetyp gilt: Das Wasser wird täglich gewechselt, der Tank mindestens einmal pro Woche gereinigt und nach Herstellerangaben entkalkt. Stellen Sie das Gerät frei im Raum auf, nicht direkt an eine Wand oder unter ein Regal mit Büchern.

Ein Luftreiniger befeuchtet nicht, aber er filtert

Luftbefeuchter und Luftreiniger werden oft in einem Atemzug genannt, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Ein Luftreiniger saugt Raumluft an und filtert Partikel wie Pollen, Hausstaub, Tierhaare und Feinstaub heraus. Die Luftfeuchtigkeit verändert er nicht. Gegen trockene Luft hilft er also nicht.

Hand wechselt den HEPA-Filter eines Luftreinigers neben dem Bett, am Fußende schläft eine Katze
Ein Luftreiniger filtert Pollen, Staub und Tierhaare, ändert aber nichts an der Luftfeuchtigkeit. Wirksam bleibt er nur mit regelmäßig gewechselten Filtern.

Sinnvoll sein kann ein Luftreiniger für Menschen mit Pollen- oder Hausstauballergie, in Wohnungen an stark befahrenen Straßen oder in Räumen, in denen Rauch von Kaminöfen oder Kerzen entsteht. Achten Sie auf einen echten HEPA-Filter und eine Luftleistung, die zur Raumgröße passt. Die Hersteller geben dafür oft den CADR-Wert an, der beschreibt, wie viel gereinigte Luft das Gerät pro Stunde liefert. Filter müssen regelmäßig gewechselt werden, sonst sinkt die Wirkung. Das Lüften ersetzt ein Luftreiniger nicht, denn Kohlendioxid und Feuchtigkeit bleiben im Raum.

Raumluft im Winter pendelt zwischen zu trocken und zu feucht

Im Winter pendelt die Luftfeuchtigkeit zwischen zwei Risiken. Zu trocken, und der Hals kratzt. Zu feucht, und an der Außenwand hinter dem Sofa bildet sich Schimmel. Ein Hygrometer in den wichtigsten Räumen zeigt, auf welcher Seite Sie stehen, und die meisten Wohnungen kommen mit kühleren Temperaturen, gezieltem Stoßlüften und etwas Aufmerksamkeit gut durch die Heizperiode.

Ein Luftbefeuchter ist dann die Ergänzung für Räume, die trotzdem dauerhaft unter 40 Prozent bleiben, und ein Luftreiniger die Lösung für Menschen, die unter Partikeln in der Luft leiden. Beide Geräte lohnen sich aber nur, wenn sie gepflegt werden. Und beide ersetzen nicht das Fenster, das zweimal am Tag für ein paar Minuten weit offen steht.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI

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